Potsdamer Forschungsprojekt zu Migrantensportvereinen abgeschlossen
An der Universität Potsdam ist ein vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördertes Forschungsprojekt zur Selbstorganisation von Migranten im Vereinssport abgeschlossen worden, in dem vor allem ethnische Sportvereine untersucht wurden. Der Projektbericht liegt seit kurzem vor und kann über den Buchhandel bezogen werden. In ihm wird auch das Programm „Integration durch Sport“ thematisiert, das als Kooperationspartner an der Untersuchung beteiligt war.
Das von Silvester Stahl verfasste Buch basiert auf den Ergebnissen einer bundesweiten Feldstudie unter der Leitung von Prof. Jürgen Baur, in der unter anderem Vertreter von Migrantensportvereinen befragt, Zeitungsartikel ausgewertet und Experteninterviews durchgeführt wurden. Es stellt wissenschaftlich abgesicherte Basisinformationen über typische Organisationsformen, Problemfelder und Konfliktmuster bereit und präsentiert darauf aufbauende Annahmen über die Wirkung der sportbezogenen Selbstorganisation von Zuwanderern auf die interethnischen Beziehungen im Sport und auf den gesellschaftlichen Integrationsprozess.
Im ersten Teil des Forschungsberichts werden unterschiedliche Organisationsformen aufgezeigt, in denen sich Zuwanderer selbständig zusammengeschlossen haben, um Sport zu treiben. Dabei liegt der Schwerpunkt auf verschiedenen Typen von Migrantensportvereinen, die sich vor allem in ihrer Mitgliederzusammensetzung unterscheiden, wie zum Beispiel ethnische Sportvereine, weltanschaulich geprägte Tendenzvereine, Aussiedlersportvereine oder multi- beziehungsweise supraethnische Sportvereine.
Die Rolle dieser Vereine in Sport und Gesellschaft beschreibt der Autor im weiteren Textverlauf als sehr ambivalent. Die selbstorganisierten Migrantensportvereine in Deutschland unterscheiden sich demnach unter einander stark in ihrer Vereinstätigkeit, ihrem Selbstverständnis, der Beteiligung an Konflikten und nicht zuletzt ihrem Verhältnis zu anderen Vereinen und den Sportverbänden. Einerseits haben sie mitunter gravierende Organisationsdefizite, sind überproportional häufig an Konflikten im Amateurfußball beteiligt und können zur Abgrenzung von Einheimischen und Zuwanderern beitragen. Andererseits erbringen Migrantensportvereine spezifische Integrationsleistungen, weil sie Personen in das Sportsystem integrieren, die sonst gar keinem Sportverein beitreten würden, und bieten Migranten die Möglichkeit, sich unter Bedingungen am Sport zu beteiligen, die ihren spezifischen Interessen und Bedürfnissen entsprechen. Sie dürfen den Ergebnissen der Untersuchung zufolge nicht pauschal als Zeichen einer mangelnden Integrationsbereitschaft der beteiligten Zuwanderer gewertet werden.
Aus diesen Beobachtungen leitet der Verfasser im Schlussteil des Buchs Handlungsempfehlungen an Sportverbände, staatliche Stellen und Träger der Integrationsarbeit ab, in denen ein konstruktiver Umgang mit selbstorganisierten Migrantensportvereinen nahe gelegt wird. Den Sportverbänden wird darin angeraten, Migrantensportvereinen ohne grundsätzliche Vorbehalte zu begegnen und sie als gleichberechtigte Mitgliedsvereine zu akzeptieren.
Zu bestellen beim Sportverlag Strauß.
Silvester Stahl
Selbstorganisation von Migranten im deutschen Vereinssport.
Ein Forschungsbericht zu Formen, Ursachen und Wirkungen
Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft: Bd. 2009/01Köln 2009: Sportverlag Strauß
148 Seiten
ISBN-10: 3868845100
ISBN-13: 9783868845105
€ 16,80




