Thema des Monats März 2010: Mit „Sport interkulturell“ zu mehr Miteinander

Übung zur Förderung der Teamfähigkeit (Quelle: Sportjugend Hessen)

Teilnehmer bewerteten die Seminare überwiegend positiv (Quelle: Sportjugend Hessen)
Die interkulturelle Öffnung von deutschen Sportvereinen stellt den organisierten Sport vor große Herausforderungen. Die gezielte Ansprache von Migrantinnen und Migranten und die Schaffung von niedrigschwelligen Angeboten sind nicht alles. In der täglichen Integrationsarbeit werden Übungsleiterinnen und Übungsleitern Kenntnisse über kulturelle Hintergründe und Konfliktmanagement abverlangt, die sie nicht immer haben.
Die Akteure, die mit dem Medium Sport in der Integrationsarbeit arbeiten, werden in ihrer Aufgabe über das Programm „Integration durch Sport“ mit der Qualifizierungsmaßnahme „Sport interkulturell“ begleitet. Die Seminare dieses Moduls wurden in 2006 bis 2008 von Dr. Sabine Seidenstücker vom Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) in Landau wissenschaftlich begleitet. Die Evaluationsergebnisse liegen vor und wurden vom DOSB ausgewertet.
Durch die Längsschnittstudie seit 2006 war es möglich, den Entwicklungsprozess der Fortbildungsmaßnahme „Sport interkulturell“ nachzuzeichnen und ihre Nachhaltigkeit zu überprüfen. Bis 2008 war das zepf für die Evaluation federführend, im Jahr 2009 übernahm „Integration durch Sport“ die Evaluationsmodule und setzte die Auswertung in Eigenregie fort. 2009 wurden 16 Seminare in 12 Bundesländern angeboten. Damit rückt das im Nationalen Integrationsplan festgeschriebene Ziel, die Qualifizierungsmaßnahme „Sport interkulturell“ in allen Bundesländern umzusetzen, näher.
208 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 14 Seminaren beteiligten sich im vergangenen Jahr an den Befragungen. Die Geschlechterverteilung der Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer war, wie bereits in den Jahren 2006 und 2008, unausgeglichen. Mit einem Anteil von 63,9% waren männliche Teilnehmer überrepräsentiert. Daraus ergibt sich eine der vielfältigen Handlungsempfehlungen der Evaluation: eine verstärkte Gewinnung von Frauen für die Qualifizierungsmaßnahme. Aber auch Kinder und Jugendliche sollen mehr in die Fortbildung einbezogen werden.
105 Personen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer 2009 hatten einen Migrationshintergrund, 89 keinen. Damit war das Verhältnis im Gegensatz zum Jahr 2008 wieder relativ ausgeglichen. 2008 hatten 65 % der Teilnehmer keine Migrationsgeschichte. Die meisten Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer kamen 2009 aus Russland (28,6%), Kasachstan (13,3%), der Türkei (12,4%) und der Ukraine (10,5%). Das zepf empfiehlt „Sport interkulturell“ eine Ausweitung des Teilnehmerkreises auf weitere Migrantengruppen, um noch mehr Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen einzubeziehen.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitieren
Die Resonanz der Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer war während der wissenschaftlichen Begleitung überwiegend positiv. Die Fortbildung „schärft den Blick“, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten „viel nachgedacht“ oder „ganz wichtige Sachen mitgenommen“ – so lauteten nur einige von vielen positiven Aussagen. 66% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewerteten die Gestaltung der Methoden durch die Seminarleitung 2009 als „sehr interessant“, 31,5% als „eher interessant“. Auch die Vermittlung der Inhalte wurde, ähnlich wie im Jahr 2008, von 70,5% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer als „sehr verständlich“ bezeichnet.
Vor allem die Motivation am Thema weiterzuarbeiten, konnte bei vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestärkt werden (84,7%). Darüber hinaus fühlten sich 85,3% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem Seminar in der Lage, einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung im Vereinsalltag leisten zu können.
Insgesamt wurde deutlich, dass die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich im Anschluss an das Seminar zutraute, Veränderungen in bestimmten sozialen vereins- und gruppeninternen Bereichen bewirken zu können. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer (87,3%) hielten sich für befähigt, das Miteinander im Training fördern zu können. Dieser Bereich verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr 2008 am stärksten. 53,2% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer befürworteten in diesem Zusammenhang die Kategorie „trifft völlig zu“, 2008 waren es nur 15%. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Evaluation: 86,9% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten das Gefühl, durch das Seminar andere Kulturen besser verstehen zu können.
Weitere Informationen:
Evaluationsbericht "Sport interkulturell"
Kommentierte Seminarbeschreibung



