Frau Pei ist angekommen

02.06.2014

Eine aus China zugewanderte Yoga-Lehrerin baut in Schwerin Brücken der interkulturellen Begegnung – mit Unterstützung des Zufalls und des Programms IdS (Teil 3 der Projektporträt-Serie).

Brückenbauerin Frau Pei aus China (Quelle: privat)

Bei aller Planbarkeit von Integration durch Sport, manchmal braucht es dafür ein bisschen Glück. Zum Beispiel das Glück einer Begegnung zur rechten Zeit am rechten Ort. Denn letztlich kommen Integrationsprozesse durch Menschen in Gang und werden von ihnen vollzogen, Menschen wie Xuehua Pei und Bärbel Pautsch. Die aus China stammende Yoga-Lehrerin und die Beraterin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), freiwillig bei IdS in Mecklenburg-Vorpommern engagiert, haben 2011 in Schwerin eine Initiative begründet, die wirkt wie ein systematisch aufgebautes Integrationsprojekt für Migrantinnen. Das ist nicht falsch. Aber der Zufall und die Einsatzbereitschaft der zwei Frauen halfen ein wenig mit.

Die Vorgeschichte ist die Geschichte von Xuehua Pei. 1975 geboren und nahe Shanghai aufgewachsen, wanderte sie 2000 aus familiären Gründen nach Deutschland aus. Im Gepäck hatte sie einen Master-Abschluss in Sportpädagogik aus Peking und den festen Willen, nicht auf Integration zu warten, sondern sie zu suchen. Sie studierte drei Jahre Deutsch und Englisch in Rostock, ließ nach längerem Erziehungsurlaub eine umfassende Weiterbildung zur Yogalehrerin folgen – und sah sich dann in der Sackgasse. Bewerbungen liefen ins Leere und „der Schritt in die Selbstständigkeit war mit zwei kleinen Kindern ein zu großes Risiko“, wie sie sagt.

 

Neue Serie - alle 2 Wochen

Von Rügen bis Reutlingen, von Kiel bis Nürnberg. Von Basketball über Gorodki bis Tanztheater. Von der kulturellen Öffnung Einzelner bis zu jener von Großvereinen. Et cetera, denn Vielfalt ist das Stichwort, wenn das Programm „Integration durch Sport“ ab sofort und an dieser Stelle zeigt, wie es eigentlich funktioniert, so ganz genau und rein praktisch. Das folgende Projektporträt ist der Beginn einer Serie auf www.integration-durch-sport.de: Alle zwei Wochen stellen wir insgesamt 16 Initiativen vor, für jedes Bundesland eines: Geschichten, von denen keine der anderen ähnelt und die doch ein großes Ganzes ergeben. Nämlich ein Mosaik von Möglichkeiten, wie der Sport Verbindungen zwischen Kulturen schaffen und wachsen lassen kann.

 

Seit Januar 2012 findet der Kurs in den Räumen des VfL Schwerin statt, ein Stützpunktverein des Programms. „Um dem Wunsch der Teilnehmerinnen nachzukommen, das Projekt auszuweiten, hat Frau Pautsch damals den Kontakt zu ,Integration durch Sport' hergestellt“, erklärt Xuehau Pei. Die Regionalkoordinatorin Birgit Benz – als beratende Begleiterin die dritte entscheidende Person in dem Projekt – organisierte daraufhin den Besuch mehrerer Vereine. Der VfL hatte eine passende Trainingszeit, eine günstig gelegene Halle (mit Spiegelwand!) und Interesse, sein Gesundheitsangebot zu erweitern. Ein Jahr später traten die Migrantinnen dem Verein bei – symbolischer Schritt in den organisierten Sport und aus der sozialen Isolation, in der die meisten gelebt hatten.

Auch die weitere Entwicklung lebte vom Antrieb der persönlich Beteiligten inklusive des IdS-Personals. Eines der gemeinsamen Ziele bestand darin, (nicht nur) einheimische Frauen für den Kurs zu gewinnen, weswegen die Teilnehmerinnen unter anderem Flyer in ihrem Wohnumfeld verteilten. Mit dem gewünschten Effekt: Xuehau Pei weist nun auch deutschstämmige Frauen in Yoga ein. Und das nicht nur beim VfL. Seit 2013 hat sie eine zweite Gruppe beim Gesundheitsverein ARGUS, ihrem Ruf als nette und kompetente Übungsleiterin sei Dank.

Die Verantwortung und das positive Feedback der Teilnehmenden, sagt sie, habe sie bestärkt, ihren Weg weiter zu gehen. In der Tat machte sie 2013 noch zwei andere große Schritte. Die Krankenkassen erkannten sie als Yoga-Lehrerin an, was ihr die Abrechnung von Präventionskursen erlaubt. Zweiter Schritt: Auf Anregung und Vermittlung von Birgit Benz lehrt sie an einer Privatschule sowohl Yoga als auch Deutsch. Chinesische Austauschschüler, die in Schwerin Abitur machen, wollen fit werden für die damit verbundene Sprachprüfung.

„Angekommen in Deutschland“: Unter diesem Titel stellt die IdS-Koordination im Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern im Internet einige ihrer Projektpartner vor. Auf Xuenhua Pei trifft der Titel zweifellos zu, auch wenn noch nicht all ihre Wünsche erfüllt sind: Der Studienabschluss aus Peking wartet auf Anerkennung. Aber sie ist längst soweit, anderen Personen beim Ankommen zu helfen.

(Quelle: DOSB)