IdS-Stützpunktvereine punkten bei den „Oscars“ des Breitensports

06.02.2017

8 von 16 Preisträgern der „Sterne des Sports“ in Gold 2016 engagieren sich im Programm „Integration durch Sport“

Fotos: DOSB/BVR 2017

Diese Bilanz kann sich durchaus sehen lassen und sie zeigt, dass Integrationsarbeit in Sportvereinen nicht nur wichtig ist, sondern auch höchste gesellschaftliche Anerkennung genießt. 16 Sportvereine aus ganz Deutschland wurden am 23. Januar 2017 in Berlin von Bundespräsident Joachim Gauck, DOSB-Präsident Alfons Hörmann und dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, für ihr großes soziales Engagement ausgezeichnet. Die Hälfte aller Finalisten beteiligt sich auch im Bundesprogramm „Integration durch Sport“, unter ihnen auch der Bundessieger 2016 der „Sterne des Sports“, Eintracht Hildesheim von 1861 e. V. mit seinen Maßnahmen im „BFD Welcome“.

Beworben hat sich der Verein im Wettbewerb allerdings mit seinem Engagement in Ganztagsschulen. Seit fünf Jahren bietet Eintracht Hildesheim von 1861 e. V.  für Grundschülerinnen und Grundschüler Sport-AGs in Ganztagsschulen an, organisiert Lauftreffs vor Unterrichtsbeginn, hilft bei der Ausgabe des Mittagessens und der Hausaufgabenbetreuung und ist am Nachmittag für die AGs verantwortlich. Neben Sport können die Kinder aus vielen anderen Angeboten wählen, darunter Basteln, Nähen und eine Fahrradwerkstatt. Für Clemens Löcke, den Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführer des Vereins, ein wichtiges Programm: „Wir sehen die Betreuung des offenen Ganztags als gesellschaftspolitische Aufgabe und sind überzeugt von unserer Arbeit. Dass wir damit einen so großen Wettbewerb gewinnen, macht uns unfassbar stolz.“ Für dieses Engagement erhielt der Eintracht Hildesheim von 1861 e. V. aus den Händen des Bundespräsidenten den „Großen Stern des Sports“ in Gold 2016 sowie ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Sieben weitere Vereine, die auf der Preisverleihung in Berlin ausgezeichnet wurden, sind im Bundesprogramm „Integration durch Sport“ mit vielen Integrationsmaßnahmen aktiv. Wir stellen sie hier vor:

Box und Freizeitclub e. V. Greifswald

Der Verein aus Mecklenburg-Vorpommern gibt jugendlichen Asylbewerbern nicht nur eine sportliche neue Heimat, sondern auch Unterstützung beim Lernen der deutschen Sprache oder beim Umgang mit Ämtern und Schulen. Besonders für Jugendliche, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind, ist der Verein ein Zuhause. Durch den Sport können sie langsam Vertrauen aufbauen und die schrecklichen Erlebnisse der Flucht besser verarbeiten. Der Verein greift dabei auf seine langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien zurück, denen er bei Schulproblemen und bei der Suche nach einer Lehrstelle hilft.

TSG 07 Burg Gretesch e. V.

Das Programm des Vereins aus der niedersächsischen Region Weser-Ems heißt „Gartensport – Das Blaue Wunder im Grünen“. Dabei gelingt es dem Verein, Bewegung und gesunde Ernährung in Einklang zu bringen. Kinder und Jugendliche, Eltern und Großeltern arbeiten gemeinsam im Schrebergarten und bewegen sich beim Unkrautjäten, Bäume schneiden oder Lockern des Bodens an der frischen Luft. Auch das Wasser zum Gießen muss jedes Mal aus dem eigenen Brunnen hochgepumpt werden. Belohnt wird der körperliche Einsatz mit einem blühenden Garten und der Ernte von selbst angebautem Obst und Gemüse. Und natürlich gibt es auch Zeit für Spiel und Spaß auf Bolzplätzen, in Parks und Wäldern.

BC Hanseat e. V.

Der Boxclub Hanseat aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli bietet seit 2015 kostenloses Boxtraining für Flüchtlinge an. Der Sport gibt ihnen Gelegenheit sich zu bewegen, stärkt ihr Selbstbewusstsein und bringt sie in Kontakt mit der deutschen Kultur. Das Boxtraining kommt bei den Flüchtlingen so gut an, dass viele von ihnen extra für das Boxen die weite Anfahrt aus dem Umland in Kauf nehmen. Eine ähnliche Trainingsgruppe, speziell für geflüchtete Frauen und Mädchen, ist im Aufbau. Der BC ist eines der jüngeren Mitglieder im IdS-Programm und seit Juli 2016 Stützpunktverein.

Verein zur Förderung des Jugendsports e. V. Saar

Bei den „Gipfelstürmern“ aus dem Saarland geht es hoch hinaus. Die inklusiven Kletterkurse richten sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Behinderung über alle sozialen, kulturellen und religiösen Grenzen hinweg. Die Betreuerinnen und Betreuer haben eine Trainerlizenz für Klettersport, sind aber auch in den Bereichen Erlebnispädagogik und Inklusion qualifiziert. Es gibt auch eine Klettergruppe für Kinder und einen eigenen Kurs speziell für Mädchen und Frauen.

Universitätssportverein Jena e. V.

Mit „Welcome Unisport“ bietet der Verein aus Thüringen Sportkurse für Flüchtlinge an, die gar nichts oder nur wenig kosten. Gleichzeitig lernen die Geflüchteten im Verein Leute kennen, die ihnen über den Sport hinaus weiterhelfen. Der USV will mit seiner Initiative bewusst ein Zeichen für Willkommenskultur setzen und ist damit Vorbild und Ansprechpartner für andere Vereine oder Organisationen geworden.

Yamakawa Karate-Do Ballenstedt e. V.

Neben Karate, mit dem der Verein aus Sachsen-Anhalt regelmäßig national und international Erfolge feiert, sind auch Gesundheitssport und Fitness sowie Selbstverteidigungs- und Gewaltpräventionskurse im Programm. Wichtig ist es den Trainerinnen und Trainern, den Kindern und Jugendlichen über den Sport hinaus Werte wie Höflichkeit und Respekt zu vermitteln. Als einziger Karateverein im Harzkreis kombiniert Yamakawa Karate-Do Ballenstedt Karatetraining für Kinder ab drei Jahre mit Kinderturnen. In Kooperation mit Kindertagesstätten bietet er das Konzept „Kleine Tiger sind die Sieger – Schule für das Selbstvertrauen“ an.

FC Internationale Berlin 1980 e. V.

Flüchtlingen zu helfen und sie über den Fußball zu integrieren – das ist seit mehr als zehn Jahren das Ziel des FC Internationale Berlin. Aktuell richten sich zwei Programme an junge Geflüchtete, die allein aus ihrer Heimat nach Deutschland gekommen sind. Bei „Internationale Kompetenz“ können sie Fußball spielen und werden gleichzeitig zu lizensierten Jugendtrainern und Jugendtrainerinnen ausgebildet. Mit dem „Inter-Kultur-Cup“ setzt der FC Internationale seit fünf Jahren ein Zeichen für ein weltoffenes Miteinander in Berlin. Das oberste Motto des Vereins heißt: No Racism. Seit fast 40 Jahren spielen Mädchen und Jungen, Frauen und Männer mit Wurzeln in 70 Nationen beim FC Fußball. Diskriminierungen sind tabu.

Unter den Finalisten des „Sterne des Sports“ Publikumspreises 2016 war der SV Union Neuruppin e.V. vertreten. Der Verein hat es geschafft, die Zahl seiner Mitglieder in den vergangenen zehn Jahren zu verdoppeln. Das Motto: "Einmal Unioner – immer Unioner". Besonders bei Kindern und Jugendlichen steht der Verein hoch im Kurs.16 Nachwuchsmannschaften spielen hier erfolgreich Fußball, Handball und Tischtennis. Ausschlaggebend dafür sind die sozialverträglichen Mitgliedsbeiträge und das unermüdliche ehrenamtliche Engagement des Vorstands und der Vereinsmitglieder. In Eigenregie hat der Verein unter anderem das Sportgelände umgestaltet und das Vereinsheim saniert.

(Quelle: wirkhaus)